Erektionsstörung bei Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankung: was für die Behandlung wichtig ist

Was eine Erektionsstörung bei Bluthochdruck, Diabetes oder einer Herzerkrankung bedeutet und wann Sie dafür ein Rezept per Fragebogen anfragen können. Potenzprobleme und Gefäßgesundheit hängen eng zusammen. Deshalb geht es hier nicht nur um ein Medikament, sondern auch um sinnvolle Kontrollen.

ErektionsstörungenDiskret per Fragebogen, ohne Gespräch im Wartezimmer 24,90 € Anfrage starten

Warum Gefäße und Erektion zusammenhängen

Eine Erektion ist zuerst ein Vorgang in den Blutgefäßen: Damit sich die Schwellkörper füllen, müssen sich feine Arterien weiten. Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Übergewicht und Rauchen schädigen über Jahre genau diese Gefäße. Bei manchen Männern zeigt sich das an der Erektion, bevor andere Beschwerden auftreten.

Deshalb gilt eine neu aufgetretene Erektionsstörung als möglicher Hinweis auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, auch wenn Sie sich sonst gesund fühlen. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie empfiehlt, bei Männern mit Erektionsstörungen die kardiovaskulären Risikofaktoren zu prüfen. Umgekehrt fragen Ärztinnen und Ärzte bei der Abklärung eines Bluthochdrucks Männer gezielt nach Erektionsproblemen.

Bluthochdruck und Blutdruckmedikamente

Ein gut eingestellter Bluthochdruck spricht nicht grundsätzlich gegen einen PDE-5-Hemmer wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil. Diese Wirkstoffe senken den Blutdruck selbst leicht und vorübergehend. In Studien mit gängigen Blutdruckmitteln, etwa ACE-Hemmern, Sartanen, Betablockern, Kalziumantagonisten und Diuretika, zeigten sich in der Regel keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen. Bei Männern mit schlecht eingestelltem Blutdruck sank der Blutdruck unter Tadalafil allerdings stärker als bei gut eingestellten.

Daraus folgen drei Regeln. Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck gehört zuerst behandelt; bei Tadalafil ist ein unkontrollierter Bluthochdruck laut Fachinformation sogar eine Gegenanzeige. Alphablocker wie Doxazosin oder Tamsulosin können den Blutdruckabfall verstärken, deshalb sollten Sie darauf stabil eingestellt sein, und begonnen wird dann mit niedriger Dosis. Und setzen Sie ein Blutdruckmittel nicht eigenmächtig ab, auch wenn Sie es für die Erektionsprobleme verantwortlich halten. Ob ein anderes Präparat infrage kommt, klären Sie mit der Praxis, die Ihren Blutdruck behandelt.

Diabetes: warum die Werte mitentscheiden

Diabetes schädigt auf Dauer Gefäße und Nerven, und beide braucht eine Erektion. Erektionsstörungen sind bei Männern mit Diabetes deshalb häufig. In den Zulassungsstudien wurden PDE-5-Hemmer auch bei Männern mit Diabetes untersucht und verbesserten dort die Erektionsfähigkeit; bei Tadalafil ist allein wegen eines Diabetes keine Dosisanpassung nötig.

Für die Beurteilung zählt, wie gut der Diabetes eingestellt ist und ob schon Folgeerkrankungen bestehen. Hilfreich sind Ihr letzter HbA1c-Wert, Ihre Diabetesmedikamente und Angaben zur Nierenfunktion und zu den Augenkontrollen. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann die Wahl des Wirkstoffs und die Dosis beeinflussen. Und eine Erektionsstörung ist ein guter Anlass, den nächsten Kontrolltermin in Ihrer Diabetespraxis nicht aufzuschieben.

Herzerkrankungen: wann eine Untersuchung vor Ort nötig ist

Sexualität ist körperliche Belastung. Die Fachinformationen aller drei Wirkstoffe verlangen deshalb, vor einer Behandlung den Herz-Kreislauf-Zustand zu berücksichtigen. Bei einer stabilen, gut behandelten Herzerkrankung kann eine Behandlung möglich sein, bei manchen Erkrankungen aber nicht.

Ausgeschlossen ist die Behandlung, wenn Sie Nitrate gleich welcher Darreichungsform anwenden, etwa ein Nitrospray gegen Brustenge, oder Riociguat nehmen, wenn ein Infarkt oder Schlaganfall weniger als sechs Monate zurückliegt, wenn der Blutdruck unter 90/50 mmHg liegt, bei schwerer Leberfunktionsstörung, bei vererbten Erkrankungen der Netzhaut wie Retinitis pigmentosa und wenn Sie schon einmal auf einem Auge plötzlich das Sehvermögen verloren haben (NAION). Das sind Gegenanzeigen, keine bloßen Vorsichtshinweise. Bei instabiler Angina pectoris, schwerer Herzschwäche, unkontrollierten Herzrhythmusstörungen oder Brustschmerzen bei Anstrengung entscheidet Ihre Kardiologin, Ihr Kardiologe oder Ihre Hausarztpraxis nach einer persönlichen Untersuchung.

Welche Kontrollen sinnvoll sind

Ein Medikament gegen Erektionsstörungen behandelt die Folge, nicht die Ursache. Sinnvoll sind deshalb regelmäßige Messungen von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, bei Diabetes auch der Nierenwerte, dazu ein ehrlicher Blick auf Gewicht, Bewegung und Rauchen. Werden diese Risikofaktoren besser behandelt, profitieren Herz und Gefäße und manchmal auch die Erektion.

Diese Kontrollen ersetzt eine schriftliche Beurteilung nicht. Liegen Ihre letzten Werte lange zurück, kann der Arzt Sie bitten, sie zuerst bestimmen zu lassen, bevor er über ein Rezept entscheidet.

Fragebogen, Rezept und Apotheke

Im Fragebogen beantworten Sie Fragen zu Nitraten und Riociguat, zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris und Herzschwäche, zu sehr niedrigem oder unbehandeltem hohem Blutdruck, zu Alphablockern, zu einem früheren plötzlichen Sehverlust und dazu, ob Sie ein Mittel gegen Erektionsstörungen schon vertragen haben. Nennen Sie zusätzlich alle Medikamente, die Sie regelmäßig nehmen. Der Arzt prüft schriftlich, ohne Videosprechstunde oder Telefonat, und kann Unterlagen wie Blutdruckwerte oder Laborbefunde anfordern oder ablehnen.

Hält er ein Rezept für vertretbar, schickt er Ihnen das Privatrezept als PDF. Mit dem Ausdruck und einem Ausweis gehen Sie in eine Apotheke; dort fällt die Entscheidung über die Abgabe, und dort zahlen Sie das Medikament auch selbst.

Darf ich mit Bluthochdruck ein Mittel gegen Erektionsstörungen nehmen?

Bei gut eingestelltem Blutdruck ist das oft möglich. Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck sollte zuerst behandelt werden. Wichtig ist, dass der Arzt alle Ihre Blutdruckmittel kennt, vor allem einen Alphablocker.

Können Blutdruckmittel selbst Erektionsprobleme auslösen?

Erektionsprobleme können auch eine Nebenwirkung von Medikamenten sein. Setzen Sie ein Blutdruckmittel trotzdem nie eigenmächtig ab, denn ein unbehandelter Bluthochdruck schadet Herz und Gefäßen. Sprechen Sie Ihre behandelnde Praxis an; manchmal gibt es eine Alternative.

Mein Herzinfarkt liegt über ein Jahr zurück. Kommt eine Behandlung infrage?

Ein Infarkt, der länger als sechs Monate zurückliegt, ist allein keine Gegenanzeige. Entscheidend ist, wie stabil Ihr Herz heute ist, ob Sie Nitrate nehmen und ob Beschwerden bei Belastung auftreten. Der aktuelle Arztbrief Ihrer Kardiologie hilft bei der Beurteilung; im Zweifel verweist der Arzt Sie dorthin.

Was tue ich, wenn beim Sex Brustschmerzen auftreten?

Unterbrechen Sie den Geschlechtsverkehr. Halten die Schmerzen an, wählen Sie den Notruf 112. Sagen Sie dem Rettungsdienst, welches Mittel Sie genommen haben, denn Nitrate dürfen dann nicht oder erst mit Abstand gegeben werden, nach Tadalafil frühestens 48 Stunden nach der letzten Einnahme.