Fosfomycin als Einmaldosis und andere Antibiotika der ersten Wahl bei Blasenentzündung

Fosfomycin, Nitrofurantoin und Pivmecillinam bei Blasenentzündung: Wirkung, richtige Einnahme und wann ein Rezept per Fragebogen infrage kommt. Die drei Wirkstoffe gelten bei der unkomplizierten Blasenentzündung der Frau als Mittel der ersten Wahl. Sie unterscheiden sich vor allem in Dauer und Art der Einnahme.

BlasenentzündungBei typischen Beschwerden einer unkomplizierten Blasenentzündung 24,90 € Anfrage starten

Warum diese Mittel als erste Wahl gelten

Für die unkomplizierte Blasenentzündung bei Frauen nennt die deutsche S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen mehrere Antibiotika der ersten Wahl, darunter Fosfomycin, Nitrofurantoin und Pivmecillinam. Sie wirken gezielt gegen die typischen Erreger in den Harnwegen. Breiter wirkende Antibiotika hebt man dagegen für schwerere Infektionen auf, damit Resistenzen und Störungen der übrigen Bakterienflora möglichst selten entstehen.

Welches Mittel passt, entscheidet der Arzt nach Ihren Angaben, etwa zu Allergien, Nierenfunktion und anderen Medikamenten. Nicht jede Blasenentzündung braucht überhaupt ein Antibiotikum: Bei leichten Beschwerden heilt sie bei einem Teil der Frauen auch ohne aus.

Fosfomycin: eine einzige Dosis

Fosfomycin verhindert, dass Bakterien ihre Zellwand aufbauen, und tötet sich vermehrende Erreger dadurch ab. Bei der akuten unkomplizierten Blasenentzündung wird es laut Fachinformation einmalig in einer Dosis von 3 g als Granulat eingenommen. Eine zweite Dosis ist für diese Anwendung nicht vorgesehen.

So wird es eingenommen: auf nüchternen Magen, also etwa zwei bis drei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit, am besten vor dem Schlafengehen und nachdem Sie die Blase entleert haben. Das Granulat wird in einem Glas Wasser aufgelöst und gleich danach getrunken. Die Beschwerden verschwinden danach nicht schlagartig, sondern lassen meist im Lauf von ein bis drei Tagen nach. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden, vor allem Durchfall, der in der Regel von selbst abklingt. Bei starkem oder anhaltendem Durchfall melden Sie sich ärztlich.

Nitrofurantoin: mehrere Tage, immer zum Essen

Nitrofurantoin wirkt bakterientötend gegen die meisten typischen Erreger von Harnwegsinfektionen, etwa E. coli. Im Blut bleibt seine Konzentration niedrig, wirksam wird es vor allem im Urin. Anders als Fosfomycin wird es über mehrere Tage eingenommen; Dosis und Dauer hängen vom Präparat ab und stehen auf dem Rezept.

Nehmen Sie Nitrofurantoin immer mit einer Mahlzeit oder mit Milch ein, das verbessert die Aufnahme. Der Urin kann sich gelb oder bräunlich färben. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion mit einer eGFR unter 45 ml/min ist es kontraindiziert, ebenso bei einem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel. Beschrieben sind auch Reaktionen an Lunge, Leber oder Nerven: Bei Atemnot, Husten, einer Gelbfärbung der Haut oder Kribbeln in Händen und Füßen brechen Sie die Einnahme ab und lassen sich untersuchen.

Pivmecillinam: ein Penicillin über drei Tage

Pivmecillinam wird im Körper zu Mecillinam umgewandelt, einem Penicillin, das in den Aufbau der Bakterienzellwand eingreift und besonders gegen Darmbakterien wie E. coli wirksam ist. Bei der unkomplizierten Blasenentzündung dauert die Behandlung laut Fachinformation drei Tage.

Die Tabletten werden mit mindestens einem halben Glas Flüssigkeit eingenommen, am besten zu oder direkt nach einer Mahlzeit, weil sie sonst die Speiseröhre reizen können. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall und eine Pilzinfektion der Scheide. Wer allergisch auf Penicilline oder Cephalosporine reagiert, darf Pivmecillinam nicht nehmen. Ausgeschlossen ist es auch bei Erkrankungen, die den Transport durch die Speiseröhre behindern, und bei bestimmten angeborenen Stoffwechselstörungen mit Carnitinmangel.

So nehmen Sie ein Antibiotikum richtig

Unabhängig vom Wirkstoff gilt: Nehmen Sie das Mittel genau so, wie es auf dem Rezept und in der Packungsbeilage steht, und brechen Sie eine mehrtägige Behandlung nicht ab, nur weil es Ihnen besser geht. Trinken Sie ausreichend. Heben Sie keine Reste für die nächste Blasenentzündung auf, denn ein Antibiotikum vom letzten Mal ersetzt keine neue Beurteilung.

Bessern sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht, kommen Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerz oder Erbrechen hinzu oder kehren die Beschwerden kurz nach der Behandlung zurück, gehen Sie zu einer Praxis vor Ort. Dort kann eine Urinkultur zeigen, welcher Erreger vorliegt und welches Antibiotikum wirkt.

Für wen der Fragebogen gedacht ist und wie es weitergeht

Das Angebot gilt nur für erwachsene Frauen, die nicht schwanger sind, mit typischen Beschwerden einer unkomplizierten Blasenentzündung. Der Fragebogen klärt unter anderem Geschlecht und Schwangerschaft, Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen und Erbrechen, die Dauer der Beschwerden, frühere Infektionen, einen Blasenkatheter, Nierenerkrankungen oder Diabetes sowie ungewöhnlichen Ausfluss oder Juckreiz. Bei Männern, in der Schwangerschaft, bei Fieber oder Flankenschmerz und bei Beschwerden über sieben Tage ist eine Untersuchung vor Ort nötig.

Der Arzt prüft Ihre Angaben schriftlich, ohne Videosprechstunde oder Telefonat. Er kann nachfragen, eine Urinuntersuchung empfehlen oder ablehnen. Verordnet er ein Antibiotikum, schickt er Ihnen ein Privatrezept als PDF-Datei. Ausgedruckt wird es gemeinsam mit einem Ausweis in der Apotheke vorgelegt, wo man über die Abgabe entscheidet und Sie das Mittel bezahlen.

Reicht eine einzige Dosis Fosfomycin wirklich aus?

Für die akute unkomplizierte Blasenentzündung ist laut Fachinformation eine einmalige Dosis vorgesehen. Die Beschwerden klingen danach über einige Tage ab. Lassen sie nicht nach oder treten Fieber oder Schmerzen in der Seite auf, ist eine Untersuchung vor Ort nötig.

Ich bin gegen Penicillin allergisch. Was kommt infrage?

Pivmecillinam ist dann ausgeschlossen, weil es zu den Penicillinen gehört. Geben Sie die Allergie im Fragebogen an; der Arzt wählt dann ein anderes Mittel oder verweist Sie an eine Praxis vor Ort.

Darf ich Nitrofurantoin nehmen, wenn meine Nieren nicht gut arbeiten?

Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion mit einer eGFR unter 45 ml/min ist Nitrofurantoin kontraindiziert. Kennen Sie Ihre Nierenwerte, geben Sie sie im Fragebogen an.

Kann ich übrig gebliebene Tabletten beim nächsten Mal nehmen?

Nein. Eine neue Blasenentzündung braucht eine neue Beurteilung, und Reste einer früheren Packung passen oft weder in der Menge noch beim Wirkstoff. Unnötige oder unvollständige Antibiotikabehandlungen fördern zudem Resistenzen.