Finasterid-Nebenwirkungen: Sexualfunktion, Stimmung und die Bewertung der EMA von 2025
Mögliche Nebenwirkungen von Finasterid gegen Haarausfall, die EMA-Bewertung von 2025 zu Stimmungsveränderungen und wann Sie das Mittel absetzen sollten. Wer eine Behandlung erwägt, sollte die Risiken kennen, bevor er ein Rezept anfragt. Ein Arzt prüft Ihre Angaben im Fragebogen und kann eine Verordnung ablehnen.
- Fragebogen zu Art und Verlauf des Haarausfalls ausfüllen
- Der Arzt prüft, ob eine Behandlung infrage kommt, und fragt bei Bedarf nach
- Bei positiver Entscheidung kommt das Rezept als PDF per E-Mail
- Bezahlung mit Karte, Apple Pay, Google Pay oder Klarna
Wie häufig Nebenwirkungen in den Studien waren
In den einjährigen, placebokontrollierten Zulassungsstudien mit 1 mg Finasterid unterschied sich das Sicherheitsprofil insgesamt kaum von Placebo. Etwas häufiger traten Beschwerden der Sexualfunktion auf: verminderte Lust, Erektionsstörungen und eine geringere Ejakulatmenge. Laut Fachinformation lag der Anteil arzneimittelbedingter sexueller Nebenwirkungen im ersten Jahr bei 3,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent unter Placebo und wurde in den folgenden Jahren kleiner.
Bei Männern, die das Mittel absetzten, und bei vielen, die es weiter nahmen, bildeten sich diese Beschwerden in den Studien zurück. Nach der Markteinführung wurde allerdings auch berichtet, dass sexuelle Funktionsstörungen nach dem Absetzen fortbestanden. Wie oft das vorkommt, lässt sich aus solchen Meldungen nicht berechnen.
Stimmungsveränderungen: was die EMA 2025 festgestellt hat
Auf Antrag der französischen Arzneimittelbehörde hat der Sicherheitsausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (PRAC) Finasterid und den verwandten Wirkstoff Dutasterid überprüft. Ergebnis: Suizidgedanken sind eine mögliche Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten. Ihre Häufigkeit ist unbekannt, weil sie sich aus den vorliegenden Daten nicht schätzen lässt. Die meisten Fälle betrafen Männer, die 1 mg Finasterid gegen Haarausfall nahmen. Die Europäische Kommission hat die Maßnahmen im August 2025 für alle EU-Staaten verbindlich gemacht.
Stimmungsveränderungen, depressive Verstimmung und Depression standen bereits zuvor in der Produktinformation. Neu ist eine Patientenkarte in jeder Packung mit 1 mg Finasterid, die an diese Risiken erinnert und beschreibt, was zu tun ist. Außerdem wird auf Störungen der Sexualfunktion hingewiesen, weil sie zu Stimmungsveränderungen beitragen können. In Deutschland haben die Hersteller im September 2025 in Abstimmung mit dem BfArM mit einem Rote-Hand-Brief informiert. Den Nutzen bewertet die EMA weiterhin höher als die Risiken.
Was Sie bei Stimmungsveränderungen tun sollten
Die Empfehlung ist eindeutig: Bemerken Sie unter Finasterid eine gedrückte Stimmung, eine Depression oder Gedanken, sich das Leben zu nehmen, setzen Sie das Mittel ab und holen Sie so bald wie möglich ärztlichen Rat ein. Achten Sie auch auf Rückmeldungen aus Ihrem Umfeld, denn Angehörige bemerken Veränderungen manchmal früher als man selbst. Treten Probleme mit der Sexualfunktion auf, besprechen Sie auch das mit einem Arzt.
Bei akuten Suizidgedanken warten Sie nicht ab. Wählen Sie den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, die rund um die Uhr erreichbar ist.
Weitere mögliche Nebenwirkungen
Die Fachinformation nennt außerdem Nebenwirkungen, deren Häufigkeit unbekannt ist: Überempfindlichkeitsreaktionen mit Ausschlag, Juckreiz, Nesselsucht oder Schwellungen an Lippen, Zunge und Gesicht, Angst, Herzklopfen, erhöhte Leberwerte, Spannungsgefühl und Vergrößerung der Brust, Hodenschmerzen, Blut im Sperma sowie Unfruchtbarkeit oder eine schlechtere Spermienqualität, die sich in Berichten nach dem Absetzen besserte. Nach der Markteinführung wurde bei Männern unter 1 mg Finasterid auch Brustkrebs gemeldet.
Melden Sie deshalb jede Veränderung der Brust, etwa einen Knoten, Schmerzen oder Absonderungen aus der Brustwarze, zeitnah ärztlich. Schwellungen im Gesicht oder an der Zunge mit Atemnot sind ein Notfall.
PSA-Wert, Leber und Schutz für Schwangere
Finasterid senkt den PSA-Wert, der zur Prostatavorsorge bestimmt wird. In Studien mit Männern zwischen 18 und 41 Jahren fiel er im Mittel von 0,7 auf 0,5 ng/ml. Geben Sie deshalb bei jeder PSA-Bestimmung an, dass Sie Finasterid nehmen. Wie sich eine Lebererkrankung auf den Abbau des Wirkstoffs auswirkt, ist nicht untersucht.
Frauen dürfen Finasterid nicht einnehmen: In einer Schwangerschaft könnte es die Ausbildung der äußeren Genitalien eines Jungen beeinträchtigen. Schwangere und Frauen, die schwanger werden könnten, fassen beschädigte oder geteilte Tabletten deshalb nicht an. Frauen mit Haarausfall erhalten über diesen Fragebogen keine Verordnung; Minoxidil zum Auftragen auf die Kopfhaut ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.
Wie der Arzt Ihre Anfrage prüft
Gefragt wird im Formular etwa nach einer früheren oder aktuellen Depression und nach Suizidgedanken, nach Prostatakrebs oder einem auffälligen PSA-Befund, nach Lebererkrankungen, nach plötzlichem, fleckigem Haarausfall oder juckender, geröteter Kopfhaut und danach, ob Sie Finasterid oder Minoxidil schon kennen. Eine frühere Depression schließt eine Behandlung nicht automatisch aus, der Arzt wägt dann aber besonders sorgfältig ab. Bei fleckigem oder plötzlichem Haarausfall verweist er an eine Hautarztpraxis.
Die Prüfung erfolgt schriftlich, ohne Videosprechstunde oder Telefonat; der Arzt kann nachfragen oder eine Verordnung verweigern. Fällt die Entscheidung positiv aus, landet das Rezept als PDF in Ihrem Postfach. Gedruckt und zusammen mit einem amtlichen Ausweis reichen Sie es in der Apotheke ein, die über die Abgabe selbst entscheidet; die Kosten des Präparats tragen Sie.
Wie häufig sind sexuelle Nebenwirkungen?
In den Zulassungsstudien traten arzneimittelbedingte sexuelle Nebenwirkungen im ersten Jahr bei 3,8 Prozent der Männer unter Finasterid auf, gegenüber 2,1 Prozent unter Placebo. In den Folgejahren wurden sie seltener.
Ist Finasterid seit 2025 gefährlicher geworden?
Der Wirkstoff hat sich nicht verändert. Die Überprüfung hat Suizidgedanken als mögliche Nebenwirkung bestätigt und die Information für Patienten verbessert, unter anderem mit einer Patientenkarte. Insgesamt bewertet die EMA den Nutzen weiterhin höher als die Risiken.
Was steht auf der Patientenkarte?
Sie erinnert daran, dass Finasterid Stimmungsveränderungen bis hin zu Suizidgedanken sowie Störungen der Sexualfunktion verursachen kann, und beschreibt, was zu tun ist: bei Stimmungsveränderungen absetzen und ärztlichen Rat einholen, bei sexuellen Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
Darf ich Finasterid nehmen, wenn ich früher eine Depression hatte?
Das ist nicht automatisch ausgeschlossen, verlangt aber eine sorgfältige Abwägung. Geben Sie die Vorgeschichte im Fragebogen offen an. Bei aktuellen depressiven Beschwerden oder Suizidgedanken suchen Sie zuerst Hilfe in einer Praxis vor Ort.
Gehen die Nebenwirkungen nach dem Absetzen wieder weg?
In den Studien bildeten sich die sexuellen Nebenwirkungen nach dem Absetzen zurück. Nach der Markteinführung wurde jedoch auch über Beschwerden berichtet, die nach dem Absetzen anhielten; wie häufig das ist, ist nicht bekannt.
- EMA: Finasterid- und dutasteridhaltige Arzneimittel, Überprüfungsverfahren 2025
- EMA: Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Suizidgedanken bei Finasterid und Dutasterid (PDF, deutsch)
- BfArM: Rote-Hand-Brief zu Finasterid und Dutasterid (September 2025)
- Fachinformation (SmPC) Propecia 1 mg (Finasterid), electronic medicines compendium